An dieser Stelle finden Sie persönliche Leseempfehlungen unseres Büchereiteams!
Anne Applebaum: Die Verlockung des Autoritären. Warum antidemokratische Herrschaft so populär geworden ist, München: Pantheon, 2022, 208 S., ISBN 978-3-570-55459-3
Welchen Weg geht unsere Gesellschaft? Bürger fürchten, dass neue Technologien ihnen die Arbeit wegnehmen. Sie haben daher Angst zu verarmen. Flüchtlinge aus fremden Kulturen strömen ins Land, die ihren Platz bei uns finden müssen. Sie könnten zu Konkurrenten werden oder schlimmer noch, werden als Bedrohung empfunden. Diskussionen und Debatten im Parlament zum Thema wirken auf Bürger kompliziert, lassen sie oft ratlos und überfordert zurück. Sie fühlen sich unverstanden, haben das Gefühl, man hört ihnen nicht zu. Populisten fangen diese Stimmung auf, verpacken sie in einfache, einprägsame Parolen, die auf die Zuhörer identitätsstiftend wirken. Durch Medien wie Facebook, TikTok, Instagram oder X verbreiten sie sich in Windeseile, ohne Prüfung auf Wahrheitsgehalt. Die Autorin führt Beispiele aus Europa an: Die Brexit-Bewegung vor allem in England, die neue Vox-Partei in Spanien als Reaktion auf die katalanische Unabhängigkeitsbewegung.
Gefährlich wird es für die Demokratie, wenn Politiker oppositionellen Parteien ihnen zustehende Mittel entziehen oder sie sogar verbieten wollen. Solches wie auch Angriffe auf die Zusammensetzung und Unabhängigkeit der Gerichte, einem der drei Pfeiler der Demokratie, kennt man von Regierungschefs in Ungarn und Polen.
Sehnen sich die Bürger in Europa nach mehr Autorität? Die Historikerin Anne Applebaum beschreibt diese zeitgeschichtliche Entwicklung mit klarer Sprache, sehr lesenswert in dieser Zeit. Kurzum, beim Lesen begeisterten mich der Inhalt des Buches und der Schreibstil der Autorin.
Dr. Petra Tiegel-Hertfelder
Anmerkung: Anne Applebaum erhielt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024.
Verena Maatmann: Die rebellische Pianistin. Das Leben von Johanna Kinkel. Historische Romanbiografie um die Bonner Musikerin im 19. Jahrhundert, München: Piper Verlag, Februar 2023, 344 S., ISBN 978-3492506250
Die Autorin hat das sehr bewegte Leben dieser kaum bekannten Bonner Pianistin, Dirigentin und Komponistin, Johanna Kinkel, in einen hochinteressanten biografischen Roman verpackt.
Schon als junges Mädchen bekommt Johanna Klavierunterricht bei dem gleichen Lehrer wie Beethoven und will selbst ihren Lebensunterhalt als Musikerin verdienen. Damit stößt sie im 19. Jahrhundert auf Unverständnis. Auf Drängen ihrer Eltern heiratet sie mit 22 Jahren einen Mann, der sie umworben hat. Nach der Hochzeit verwandelt sich dieser jedoch in einen Tyrannen, weshalb Johanna schon nach sechs Monaten völlig entkräftet von ihren Eltern wieder nach Hause geholt wird. Der eingereichten Scheidung stimmt ihr Mann erst nach sieben Jahren zu, womit Johanna wieder für Empörung in der Bonner Gesellschaft sorgt und nahezu alle ihre Klavierschüler verliert. Der nächste Skandal entsteht durch ihre Beziehung zum einige Jahre jüngeren Gottfried Kinkel, einem protestantischen Theologieprofessor. Durch ihn lernt sie den Protestantismus kennen und tritt schließlich über (nächster Skandal), Gottfried löst seine bestehende Verlobung, um sie heiraten zu können (noch ein Skandal). Sie bekommen vier Kinder. Trotz aller Schwierigkeiten bleibt Johanna der Musik treu und verliert ihr Ziel nicht aus den Augen. Leider stirbt sie, die wir als Vorkämpferin für Frauenrechte und Demokratie bezeichnen können, im November 1858 im Alter von nur 48 Jahren.
Anke Roggenkamp

Doug Johnstone: Eingeäschert. Kriminalroman. Stuttgart : Polar Verlag, 2022. – 423 Seiten ISBN978-3-948392-42-0
Drei Generationen von Frauen, Mutter, Tochter, Enkelin, stehen im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen Kriminalromans, der im schottischen Edinburgh spielt. Nach dem Tod des (männlichen) Familienoberhaupts übernehmen die drei das Familienunternehmen: ein Bestattungsinstitut. Nebenbei hat der Verstorbene auch noch eine Detektei betrieben, die nun ebenfalls von den Frauen weitergeführt wird. Während Dorothy entdeckt, dass ihr verstorbener Ehemann offensichtlich einige Geheimnisse mit ins Grab genommen hat, übernimmt ihre Tochter Jenny einen Fall mit einem angeblichen Ehebrecher, und Enkelin Hannah untersucht das mysteriöse Verschwinden einer Freundin. Konsequent ist das Buch aus der Sicht der drei Frauen geschrieben. Je tiefer die drei in ihre Ermittlungen eintauchen, desto mehr stellen sie fest, dass Frauen in einer Männerwelt gefährlich leben. „Eingeäschert“ ist ein spannender Krimi und gleichzeitig ein emanzipatorischer Frauenroman, der auch grotesk-komische Züge enthält. Unbedingt empfehlenswert für Krimifans sind auch die beiden Fortsetzungen „Eingefroren“ und „Einb
alsamiert“. Beide sind in unserer Bücherei zu finden!
Ingmar Jochem
Marie Benedict: Lady Churchill, Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, März 2022, 448 S., ISBN 978-3-462-00294-2
Aus der Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“, Band 2
Ein historisch-biografischer Roman von Marie Benedict
Winston Churchill kennen Sie sicher, aber wissen Sie auch, wer seine Frau war? Wie sie hieß und was sie alles geleistet hat?
Clementine war ihr Name und um diese sehr emanzipierte Frau geht es in diesem spannenden und sehr erhellenden Buch. In der Ich-Form aus Sicht von Clementine geschrieben, erfahren wir viel über ihr Leben. Angefangen bei ihrer Kindheit, die trotz Adel von Armut geprägt war, über das zufällige Kennenlernen von Winston, ihre Ehe, aus der fünf Kinder hervorgingen, bis zu ihrem Einfluss auf die politische Karriere von Winston.
Da sie sich, für ihre Zeit völlig untypisch, sehr in der Politik engagierte, hat sich ihr Mann von ihr beraten und zu Sitzungen begleiten lassen. Darüber hinaus hat sie seine Reden geschrieben und diese mit ihm eingeübt. Ganz besonders hat sie sich für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht eingesetzt.
Heute wäre sie eine tatkräftige Politikerin geworden, statt als Powerfrau nur im Hintergrund zu wirken.
Anke Roggenkamp
Johanna Seebauer: Nincshof (Roman), Köln: DuMont Buchverlag, 2023, 368 S., ISBN 978-3-8321-6820-9 
Der Bürgermeister liebt sein Dörfchen Nincshof, unweit des Neusiedler Sees an der Grenze zu Ungarn gelegen. Die Bürger leben ungestört und haben keine Lust, eine Städtepartnerschaft mit einem Ort im fernen Belgien einzugehen, wo der frische Nordseewind weht und zu allem Übel Miesmuscheln auf dem Speiseplan stehen. Dieser modernen Idee des Landeshauptmannes des Burgenlands wollen der Bürgermeister und drei Einwohner, unter ihnen die hochbetagte Erna Rohiebl, entschlossen entgegentreten. Sie löschen auf alten Landkarten, die in der Landeshauptstadt lagern, den Ortsnamen Nincshof. Darüber hinaus entfernen sie alle Ortsschilder. Das Projekt des „Sich Versteckens“ erfährt einen herben Rückschlag, als eine Familie aus Wien die alte Mühle am Ortsrand von Nincshof saniert, um sich dort niederzulassen. Auf dem großen Grundstück lässt der Herr des Hauses, Silvano Mezzaroni, eine Herde Irrziegen grasen, eine in Südamerika heimische Tierrasse. Zu allem Überfluss plant Mezzaroni, seine zahmen Ziegen mit Touristen durch den Ort zu führen. Die Ziegenwanderungen sollen die gestressten Stadtmenschen entspannen. Der Bürgermeister und seine Mitstreiter jedoch sind alarmiert. Als sie erfahren, dass eine Irrziege trächtig ist, entführen sie diese. Mezzaroni ist außer sich und droht mit der Polizei. Die Verschwörer geben nach. Die Ziege bringt ihren Nachwuchs unter den Augen der Dorfhonoratioren in Ernas Vorgarten zur Welt. Der Friede in Nincshof ist wiederhergestellt.
Dr. Petra Tiegel-Hertfelder
Isabel Bogdan: Laufen (Roman), Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2021, 208 S., ISBN 978-3-4620-0158-7
Ein phantastisches Buch, bei dem ich mich frage, warum ich es erst jetzt entdeckt habe. Das Buch besteht interessanterweise nur aus den Gedanken der 43jährigen Ich-Erzählerin. Gedanken, die sie beim Laufen hat, immer wieder unterbrochen durch den Atemrhythmus: Ein-Ein-Aus-Aus-Aus-Aus.
Selbst begeisterte Läuferin, kann ich viele der Gedanken der Protagonistin total nachvollziehen.
Die namenlose Heldin hat ihren Lebensgefährten verloren und kämpft gegen die Trauer über den Verlust und ihre Schuldgefühle an. Hätte sie seinen Tod verhindern können? Darf sie sich neu verlieben? Mit dem Laufen beginnt sie, um die Trauer zu verarbeiten. Doch trotz aller Probleme und Selbstzweifel, hat sie ihren Humor nicht verloren und kommentiert ihre eigenen Gedanken mit viel Selbstironie. Der Leser kann detailliert ihre Gedankengänge verfolgen und die stetigen Veränderungen zum Besseren, zurück in ein neues Leben, miterleben.
Die Autorin hat hier ein schwieriges Thema in eine wunderbare Geschichte verpackt.
Anke Roggenkamp
Martin Schäuble: „Alle Farben grau“, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlage, 2023, 272 S., ISBN 978-3-7373-4329-9
Paul kehrt nach einem Wochenende zurück in die Akutstation der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Am Eingang trifft er Alina wieder, die zwei Selbstmordversuche hinter sich hat. Zu der Gruppe gehören auch Kata und Justin, der zu gefährlichen Aktionen neigt, z.B. Mülleimer anzuzünden.
Es sind Abende, die das ganze Geschick des Betreuers herausfordern. Die Tagesplanung für die jungen Leute ist wichtig, sie gibt Struktur: Essen, Schlafen und Spazieren gehen.
Dies ist für Paul besonders wichtig, denn der behandelnde Arzt hat bei ihm eine Form von Autismus festgestellt. Immer wieder wird Paul von inneren Stimmen verfolgt, die sich in Gespräche einmischen, etwa: „Sie lacht nur über Dich“.
Die Eltern ermöglichen ihm einen Aufenthalt in einem Internat in Japan, wo er Jugendliche trifft, die sich auch die Arme aufkratzen, so wie er. Japanisch lernt er schnell, weil er sich die Schriftzeichen gut merken kann. Er liest deshalb begeistert Mangas. Als er wieder daheim ist, braucht er Ruhe, versteckt sich sogar im Kleiderschrank. Paul macht die Nacht zum Tag, um mit Freunden zu zocken. Er verlässt eines Nachmittags das Haus, um bei einem Freund zu übernachten… . Dort kommt er nie an.
Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die fühlen wie Paul und deshalb Hilfe und Ansprache brauchen.
Dr. Petra Tiegel-Hertfelder
Jakob Hein: „Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste“, Berlin: Galiani Verlag, März 2025, 256 S., ISBN: 978-3-86971-316-8
Können Sie sich noch daran erinnern, dass die DDR 1983 von Westdeutschland einen Milliarden-Kredit bekommen hat? Jakob Hein hat zu diesem historischen Deal eine ganz eigene, abenteuerliche und irrwitzige Geschichte erfunden.
Grischa, ein neuer, junger Mitarbeiter der Plankommission entwickelt einen Plan, um sowohl den Bruderstaat Afghanistan zu unterstützen, als auch der DDR zu mehr Ansehen und dringend benötigten Devisen zu verhelfen.
Seine Lösung: Medizinisches Cannabis aus dem Bruderstaat an Grenzübergängen in „Freundschaftsläden“ an die „dekadenten Wessis“ verkaufen. Natürlich stößt seine Idee anfänglich auf Ablehnung, aber schließlich darf an einem Westberliner Übergang ein Probelauf gestartet werden. Mit durchschlagendem Erfolg! Die westlichen Jugendlichen strömen geradezu in den Osten und es kommt zu tumultartigen Szenen am Grenzübergang, von denen auch bald die Regierung in Bonn Wind bekommt….
Trotz des umständlichen Titels ein lockeres, absurdes Lesevergnügen!
Anke Roggenkamp
Frances Cha: „Hätte ich dein Gesicht“ (Debütroman), Zürich: Unionsverlag, Juli 2022, 288 S., ISBN 978-3293005860 
Schöner, reicher, mächtiger – in bonbonfarbenen Schönheitskliniken und an den Marmortischen der High Society offenbaren sich die Abgründe einer Gesellschaft, in der Fehler nicht geduldet werden und Erfolg nur ein einziges Gesicht trägt. Nur wer perfekt ist, steigt auf im schillernden Seoul.
Vier junge Frauen versuchen, in den gnadenlosen Hierarchien hinter Gangnams Hochglanzfassaden zu bestehen: Kyuri, mit ihrem makellosen Gesicht, unterhält Nacht für Nacht mächtige Geschäftsmänner in exklusiven Room-Salons. Miho, aufstrebende Künstlerin, findet sich unfreiwillig in der superreichen Elite wieder. Ara, Friseurin und seit ihrer Jugend stumm, flieht in den Schein der glitzernden K-Pop-Welt. Und die frisch verheiratete Wonna, sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrem vorgeformten Leben.
Ein verstörender Blick auf unrealistische Schönheitsideale und soziale wie ökonomische Ungleichheiten in der koreanischen Gesellschaft. Schonungslos erzählt Cha vom Leben unter Seouls Neonglanz und porträtiert das unaufhörliche Streben nach Selbstverwirklichung in Anbetracht ernüchternder Chancenlosigkeit.
Anna Kirchmann
Katja Kruckeberg: „Sophias Geheimnis“. Ein Roman über das, was im Leben wirklich 
zählt., München: Scorpio Verlag, Juni 2024, 272 S. ISBN 978-3-95803-619-2
Ein lesenswertes Sachthema, hübsch verpackt in einem unterhaltsamen wie lehrreichen Roman.
Es geht um die Frage, wie man ein glückliches, gesundes und gelingendes Leben führen kann. Der ehemalige Banker Leonardo vergleicht das Leben mit einer Bank, in der man statt Geld seine Lebenszeit anlegt.
Mit seiner Frau Barbara war er viel in der Welt unterwegs, immer dem Geheimnis eines glücklichen Lebens auf der Spur. Sie wollten daraus ein Buch machen. Leider starb seine Frau bei einem Brand und sämtliche Unterlagen ihres Lebenswerkes wurden zerstört. Seit einer Begegnung mit der jungen Sophia am Flughafen San Francisco, schreibt Leonardo ihr regelmäßig Briefe, in denen er ihr von seiner Frau und ihren Reisen um die Welt erzählt. Ganz nebenbei erfährt Sophia was wirklich wichtig ist im Leben.
Bevor es zu einer unerwarteten Wendung kommt, wird Leonardos Geheimnis auch zu Sophias Geheimnis und ihr Leben bekommt neuen Schwung.
Anke Roggenkamp
Michiko Aoyama: „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“, 8. Auflage, deutsche Erstausgabe aus dem Japanischen von Sabine Mangold, Hamburg: Kindler, 2024, 285 S. ISBN 978-3-463-00040-4 
Ein Bestseller aus Japan, der fünf Geschichten in einem Buch vereint. Da geht es um die junge Verkäuferin Tomoka, die in ihrem Job unzufrieden ist, den unsicheren Buchhalter Ryo, der den Traum hat, ein Antiquitätengeschäft zur eröffnen, Natsumi, die ehemalige Zeitschriftenredakteurin, die sich als frischgebackene Mutter neu orientieren muss, um in dem Balanceakt zwischen Familie und Beruf nicht unterzugehen, die arbeitslose Hiroya, die eine Perspektive sucht und um den 65-jährigen Masao, für den nach 42 Jahren Berufstätigkeit mit der Rente ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie alle treffen z. T. rein zufällig auf die Bibliothekarin, Frau Komachi, die eine kleine Gemeindebibliothek in Tokio leitet und auf fast mystische Weise fühlt, nach was diese Personen suchen, die sich gegenwärtig in ihrem Leben in einer Sackgasse befinden. Durch ihre ungewöhnlichen Buchempfehlungen ermöglicht sie ihnen sich aus ihren starren Denkstrukturen zu befreien und neue Wege zu erkennen. Die Lektüre der Bücher hilft den fünf so unterschiedlichen Personen als Quelle der Inspiration ihre Lebenskrisen zu meistern. Auch ich konnte beim Lesen von „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ die inspirierende und manchmal heilende Kraft von Büchern nachempfinden.
Carla Hornberger
Liz Moore: „Der Gott des Waldes“,Roman, Verlag: C.H.Beck, Februar 2025, 590 S. ISBN 978-3406829772 
1961 verschwindet der achtjährige Bear Van Laar in den dichten Wäldern der Adirondack Mountains im Staat New York. Die großangelegte Suchaktion mit hunderten Freiwilligen hat keinen Erfolg und die Familie scheint den Fall so schnell wie möglich abschließen zu wollen.
Jetzt, 1975, ist die Tochter der Van Laars morgens nicht in ihrem Bett im Ferienlager. Die Suche beginnt von Neuem. Ist es Zufall oder besteht eine Verbindung zwischen den beiden Fällen? Immerhin ist derselbe Straftäter unterwegs, der auch schon vierzehn Jahre zuvor verdächtigt wurde.
Die Autorin versteht es, den Leser in ihren Bann zu ziehen, man verliert sich praktisch in der Wildheit der Szenerie. Ihre Figuren erzählen von sozialer Ungleichheit, Wohlstandsverwahrlosung und Machtmissbrauch, denn „am Ende sind es Familien wie die Van Laars, die sich immer darauf verlassen, dass andere für sie in die Bresche springen“ und so die Verantwortung für das Leid aller Beteiligten tragen.
Anna Kirchmann
Hape Kerkeling: „Gebt mir etwas Zeit“ erschienen am 25.09.2024 im Piper Verlag, 368 Seiten, EAN 978-3-492-05800-1
In seiner im letzten Jahr erschienenen Autobiografie erzählt Hape Kerkeling mal ernst, mal lustig, mal berührend seine eigene Geschichte und die seiner Familie.
Woher kommen wir und was prägt uns? Das sind die Leitfragen dieses Werks. Anfangs begleiten wir ihn noch zurück in die 80er-Jahre zu seiner Anfangszeit im Fernsehen und seinem Leben hinter den Kulissen. Doch begibt sich der Autor im Rahmen seiner Ahnenforschung noch weiter zurück. Bis in das Goldene Zeitalter der Niederlande entführt er uns, um uns von dem möglichen Leben seiner Vorfahren im Amsterdam des 17. Jahrhunderts zu berichten.
Am wichtigsten ist es Kerkeling jedoch, das Geheimnis um seine Oma Bertha zu lüften, die ihn zwar aufgezogen hat, deren unglaubliche Geschichte er aber Zeit ihres Lebens nicht entschlüsseln konnte.
Anna Kirchmann
Percival Everett: „James“, Hanser Verlag, 2024, 329 S., ISBN 978-3-446-27948-3
Ein berühmter Klassiker der amerikanischen Literatur, Mark Twains „Huckleberry Finn“, wird von Percival Everett neu erzählt. Everett erzählt aus der Sicht des schwarzen Sklaven Jim, den Begleiter von Huckleberry Finn, der hier von der Nebenfigur zum Protagonisten seiner eigenen Befreiungsgeschichte wird. Der Clou daran ist, dass Jim, der im Original als wenig gebildet und einfach gestrickt dargestellt wird, für die Weißen nur den Dummen spielt, denn es wäre zu gefährlich, wenn die Weißen sich ihm nicht überlegen fühlen würden. Jim flieht mit Huckleberry Finn, um zu verhindern, dass man ihn verkauft. Unterwegs erleben sie beide jede Menge Abenteuer, wobei Jim, anders als sein hellhäutiger Freund, als entlaufener Sklave stets vom Tode bedroht ist. Everett gelingt es meisterhaft, uns an dieser Lebenswirklichkeit teilhaben zu lassen, die notwendigerweise eine ganz andere Sicht auf die Welt bedeutet. Unbedingte Leseempfehlung dieser subversiven Neuinterpretation, gerade auch für die, die wie ich das Original von Mark Twain lieben!
Ingmar Jochem
Felix Klieser (Autobiografie): „Stell dir vor, es geht nicht, und einer tut es doch: Wie wir lernen, mehr zu können, als wir denken“, Econ-Verlag, August 2024, 256 S., ISBN 978-3-430-21118-5
Können Sie Horn spielen? Vermutlich genau so wenig wie ich und mit den Füßen schon mal gar nicht, oder?
Felix Klieser kann es und gehört sogar zu den besten Hornspielern der Welt. Als Vierjähriger hat er angefangen Horn zu spielen, obwohl er 1991 ohne Arme geboren worden ist. Einige Jahre später beschloss er, einer der besten Hornspieler der Welt werden zu wollen. Trotz aller Hindernisse hat er es tatsächlich geschafft, spielt heute mit den Stars der Pop- und Klassikszene und tourt um die Welt.
Sein Buch ist ein wunderbares Plädoyer dafür, dass auch scheinbar unlösbare Probleme gelöst werden können und jeder Mensch sein Schicksal selbst in die Hand nehmen sollte.
Was passiert, wenn Probleme lösen Freude bereitet: eine beeindruckende Lebensgeschichte!
Anke Roggenkamp
Harald Gesterkamp. Nebenbei Terrorist
Renneritz Verlag, Sandersdorf-Brehna 2022, 322 S. (ISBN 978-3-940684-34-9)
Sebastian Metzner ist ein guter Mann. Schon in Schülerzeiten machte er sich Gedanken über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt, besonders über die vielen Hungernden. Deshalb studierte er in Münster BWL. Die Professoren sprachen aber nur von Effizienz zur Maximierung der Wirtschaft. So hatte Sebastian sich die Lösung nicht vorgestellt. Nach seinem Studium arbeitete er in Frankfurt in einer Steuerberaterkanzlei, bis er dort selbst eine gut eingeführte in bester Lage übernehmen konnte. Um in dieser großen Stadt Anschluss zu finden, stieß Sebastian auf eine 0rganisation, die sich GlobalPeace nannte und für das Recht auf Nahrung demonstrierte. Beeindruckt von deren Auftreten nahm er sich einen Flyer mit und besuchte eine Versammlung. Bald wurde er selbst aktiv und verteilte an öffentlichen Orten ebenfalls Broschüren. Eine Mitstreiterin, die er sehr sympathisch fand, dachte an drastischere Aktionen. Sebastian nahm das als „Alleingänger“ in die Hand mit dem Prinzip, keiner Person körperlichen Schaden zuzufügen. Der „unbescholtene Bürger“ startete mit einem Anschlag auf das Raffineriegebäude von Shell in Köln-Godorf, weil der Ölkonzern in Afrika im Niger-Delta große Schäden an der Umwelt und den dort lebenden Menschen angerichtet hat. Sebastian vertiefte sich in die Materie und hielt Vorträge, auch in Kirchengemeinden. Als eine Bürgerbewegung in Nürnberg Asylanten als Schmarotzer bezeichnete, sprengte Sebastian nachts ein Loch in ihr Büro. Auch bei weiteren Aktionen legte er die Finger auf soziale Themen, wie die Verschwendung von Lebensmitteln. Obwohl Sebastian bei seinen Attacken nie Spure hinterlässt, kommt ihm die Polizei auf die Spur, und er steht vor dem Richter. Den Leser erwartet ein überraschendes Ende.
Rezension: Dr. Petra Tiegel-Hertfelder
„Coco Stolperbein“ geschrieben und illustriert von Jörg Hilbert, Insel Verlag, April 2022, 32 S., ISBN 978-3-458-17998-6
Ein Buch für 3-10jährige
Frau Richtig und Herr Wichtig leben ganz ruhig und ordentlich in einem Mehrparteienhaus vor sich hin. Eines Tages wird jedoch das Dach ausgebaut und Familie Stolperbein zieht mit ihrer Tochter Coco und einer Katze ein. In lustigen Reimen erfahren wir, wie Coco mit ihren kreativen Ideen das geordnete Leben von Herrn Wichtig und Frau Richtig „etwas“ durcheinanderbringt.
Anke Roggenkamp
Tipp am Rande: Der Autor und Illustrator Jörg Hilbert ist insbesondere auch durch seine humorvollen Geschichten für Kinder vom „Ritter Rost“ bekannt geworden. Verschiedene Bücher aus der Ritter Rost-Reihe sind in unserer Bücherei zu finden – eine Lektüre, die Spaß macht.
Stevan Paul: „Die Kichererbsen der Señora Dolores – Geschichten vom Kochen“, Hamburg: mairisch Verlag, 2024, 208 S., ISBN: 978-3-948722-33-3
Genaugenommen handelt es sich um kulinarische Kurzgeschichten, denn der Autor ist gelernter Koch und Foodjournalist. Er kann nicht nur selber kochen, sondern auch herzerwärmende und humorvolle Geschichten schreiben über das Kochen.
In seinen Geschichten geht es um ganz verschiedene Menschen und doch alltägliche Dinge: Señora Dolores weiß nicht mehr, wie sie in den fremden Garten gekommen ist, aber wie sie den Eintopf auf dem Herd der fremden Küche verfeinern kann, weiß sie und begeistert ihre unfreiwilligen Gastgeber.
Der eigenbrötlerische Postbeamte, der sich endlich entschließt, nach Japan zu reisen, um dort die perfekte Ramen-Suppe zu essen.
Eine junge Patisseriebesitzerin mit der absoluten Nase verliebt sich in einen Gast mit der gleichen seltenen Eigenschaft.
Nebenbei führt Stevan Paul uns um die halbe Welt: nach Spanien, Friesland, Italien, Hamburg, Österreich, New York oder Japan.
Wer beim Lesen Appetit bekommen hat, findet am Ende einer jeden Geschichte das entsprechende Rezept zum Nachkochen. Ein appetitlicher Lesegenuss😊
Anke Roggenkamp
Jo Lendle: „Die Himmelsrichtungen“, München: Penguin Verlag, 2024, 246 S., ISBN 978-3-328-60379-5 
Jo Lendle erzählt seinen Roman über das Leben der 1897 in den USA geborenen Flugzeugpionierin, Amelia Earhart, aus der Ich-Perspektive der Protagonistin überwiegend episodenhaft und chronologisch rückwärts. Bei seinen Recherchen über die selbstbestimmte und freiheitsliebende Frau, konnte er sich eines reichhaltigen Nachlasses bedienen, in Form von Logbüchern, Notizzetteln, Briefen, Gedichten (die sie unter dem Pseudonym Emil Harte schrieb) und Vorträgen, wobei er manche Texte eins zu eins aus dem Englischen übersetzt und in den Roman integriert hat: „Die Gefahr anprobieren wie ein Kostüm“, sagte ich. „Um zu schauen, ob sie einem steht. Das gefällt mir. Ich verkleide mich gern.“ Abends notierte ich mir auf einem Zettel drei Sätze: 1. Fliegen lernen heißt Sterben lernen. 2. Früher oder später braucht man es ohnehin. 3. Wenn Fliegen möglich ist, ist alles möglich.
Das Portrait, das der Autor in seinem Roman von der Pilotin zeichnet, die als erste Frau mit einem Flugzeug den Atlantik überquerte und nur ein paar Jahre später, 1937, beim Versuch, die Welt einmal entlang des Äquators mit einem Flugzeug zu umrunden, verschollen ist, beschreibt sie als Heldin wider Willen aber auf jeden Fall als Mensch, der von Kind an den Drang verspürte, Konventionen zu sprengen.
Carla Hornberger
Kate Summerscale: „Das Buch der Phobien und Manien: Eine Geschichte der Welt in 99 Obsessionen“, Stuttgart: Klett-Cotta, Oktober 2023, 352 S., ISBN 978-3-608-98753-9
Auch wenn es der Titel nahelegen könnte, es handelt nicht um einen Krimi oder Thriller, sondern schlicht um ein Sachbuch, aber ein hochinteressantes und vergnüglich zu lesendes.
Von der Angst vor Spinnen (Arachnophobie), dem Zwang zu stehlen (Kleptomanie) oder dem Kaufzwang (Oniomanie) haben Sie sicher schon gehört. Aber wussten Sie, dass es auch eine Globophobie (Angst vor Luftballons) oder eine Kajakphobie gibt?
Wer darunter leidet, hat eventuell auch eine Thalassophobie (Angst vor Meeren) oder eine Aquaphobie (Angst vor Wasser). Man kann auch Angst vor moderner Technik haben und an einer Telephonophobie leiden. Wer die hat, leidet bestimmt nicht unter der heute weit verbreiteten Nomophobie (No-mobile-phone-phobia), bei der man nervös wird, sobald kein Handy, kein Netz oder nur geringer Akku zur Verfügung steht. Als Katze sollten Sie besser keine Musophobie (Angst vor Mäusen und Ratten) haben und falls Sie Angst vor langen Wörtern haben, hätten Sie schon ein Problem, Ihre Krankheit überhaupt zu benennen: Hippopotomonstrosesquippedaliophobie.
Über all diese und noch viele mehr erfahren Sie informative und historische Fakten.
Anke Roggenkamp
Marc-Uwe Kling: „Views“, Berlin: Ullstein, 2024, 269 S., ISBN 978-3-550-20299-5
Spannend, interessant und schockierend – der neue Gegenwartsroman des Bestsellerautors der Känguru-Chroniken enthält Inhalte, die manche Personen als verstörend empfinden könnten.
In den sozialen Medien geht das brutale Video einer vermissten Jugendlichen viral. Die Antwort sind landesweite Demonstrationen und eine neue rechtsradikale Gruppierung namens Aktiver Heimatschutz, deren Mitglieder auch vor Lynchjustiz nicht zurückschrecken. BKA-Kommissarin Yasira Saad soll als „Vorzeigemigrantin“ den Fall aufklären, wird dabei aber selbst zur Zielscheibe der Öffentlichkeit und muss um die Sicherheit ihrer Familie fürchten. Die Spuren laufen allesamt ins Leere, erst ein Perspektivwechsel lenkt die Ermittlungen in die richtige Richtung.
Klings Handlung und Charaktere hätten etwas ausführlicher und flüssiger geschrieben bzw. beschrieben sein können – trotzdem handelt es sich bei diesem Buch um eine erschreckend realistische Geschichte, welche gesellschaftliche Spaltung, den krankhaften Wunsch nach Aufmerksamkeit und eine Gegenwart, die schon längst in der Zukunft angekommen ist, thematisiert.
Anna Kirchmann
Kirsten Boie: „Aufruf zum Größenwahn – Warum Frauen den Mut haben sollten, alles zu wollen“, Zürich: Arche Literatur Verlag AG, 2024, 42 S., ISBN 978-3-7160-0015-1
Ein kleines, feines Buch, das eigentlich gar kein Buch ist, sondern „nur“ die Rede von Kirsten Boie zum Internationalen Frauentag 2020 in Hamburg.
Kirsten Boie, eine der erfolgreichsten Autorinnen von Kinder- und Jugendbüchern in Deutschland, erzählt in ihrer lockeren, witzigen Art, welche Widrigkeiten ihr in ihrem Leben begegnet sind. Zum Beispiel wollte sie als junges Mädchen Chemikerin werden und forschen, aber die Berufsberaterin sagte ihr, das könnten nur Männer.
Als sie später als Lehrerin arbeitete und mit ihrem Mann ein Kind adoptierte, wurde ihr vom Jugendamt gesagt, sie müsse zu Hause bleiben, sie habe doch jetzt ein Kind. Ihr Mann hingegen wurde nicht darum gebeten… .
Kirsten Boie lobt zwar, dass sich schon einiges zum Besseren geändert hätte, aber es wäre noch nicht genug. Sie plädiert für freie Wahlmöglichkeiten, für alle. Jede/r sollte das tun, was sie/er wirklich will.
Im Grunde können wir Leserinnen und Leser uns glücklich schätzen, dass es ihr so ergangen ist. Wenn Frau Boie nicht zu Hause gesessen hätte, hätte sie vermutlich nicht angefangen, Bücher für ihre Kinder zu schreiben😉.
Anke Roggenkamp
Emanuel Bergmann: „Tahara“, Zürich: Diogenes Verlag AG, 2024, 279 S., ISBN 978-3-257-07243-3
Cannes: Filmfestspiele im Sommer, herrliches Wetter und natürlich viel Prominenz. Schauspieler, Fotografen und zahlreiche internationale Journalisten. Mitten drin der Filmkritiker Marcel Klein aus Saarbrücken. Auf feuchtfröhlichen Partys tauscht man den neuesten Tratsch aus. Marcel ergattert – noch vor dessen Abflug – ein kurzes Interview mit Steven Spielberg: „Nein, der Film lüge nicht – er erzähle Geschichten – entsprungen unserer Phantasie“. Unerwartet begegnet Marcel der bezaubernden Héloïse aus seinem Hotel wieder, einer leidenschaftlichen Kinobesucherin – das verbindet.
Etwas verkatert nach einer langen Nacht sitzt Marcel dem neuen Star Eva Vargas gegenüber und tauscht einige Fragen aus – wie war der Dreh mit Spielberg und dann, weil Eva sehr knapp antwortet, aus Übermut – sind Sie Alkoholikerin? Entrüstet verlässt jene den Raum. Marcel hat seine langjährige Routine hier gar nichts genützt. Mühsam, mit spärlichsten Fakten ausgerüstet, tippt er seinen Artikel ein wenig ausgeschmückt für die Filmzeitschrift „Hollywood“. Kein Wunder, dass sein Redakteur stinksauer ist, denn er ist Besseres von seinem Journalisten gewohnt. Marcel muss ihm die Aufnahmen aushändigen, die das Gespräch aufzeichneten.
Marcel entflieht mit Héloïse der miesen Stimmung und dem auf ihm lastenden Druck. Sie gehen Shopping, lassen dabei etwas ‚mitgehen’, werden deshalb von einem Detektiv verfolgt. Beide rennen durch die Altstadt zum Auto. Mit dem alten Peugeot fahren sie die herrliche, aus Hitchcocks Filmen berühmte Küstenstraße entlang, wie ein zusammengeschweißtes Paar. Auf der kurvenreichen Strecke verliert Héloïse die Kontrolle über ihr Fahrzeug, und beide landen im Graben. Gerettet liegen sie sich in den Armen, lieben sich und lassen alles Belastende befreit zurück, Héloïse ihren sorgenden Ehemann, Marcel seine Aufgaben in der Redaktion. Sie erleben die Tage wie im Rausch. Eine Rückkehr ins alte Leben scheint beiden nicht mehr möglich.
Dr. Petra Tiegel-Hertfelder
Dave Eggers: „Die Parade“; aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann; 1. Auflage Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2020; 183 Seiten; ISBN 978-3-462-05357-9
Ein kleines, aber fesselndes Buch, das mich sehr nachdenklich zurückgelassen hat.
Zwei Bauarbeiter sollen eine Straße durch ein vom Bürgerkrieg zerstörtes Land bauen. Der eine hält sich akribisch an alle Vorgaben und Regeln, um schnell wieder zu seiner Familie zu können. Dem anderen sind Regeln völlig egal. Er will Land und Leute kennenlernen, wodurch er nicht nur sein eigenes Leben in große Gefahr bringt, sondern auch das seines Kollegen.
Dave Eggers wirft in diesem Roman einen ganz anderen, neuen Blick auf Entwicklungshilfe: Tut man wirklich Gutes, wenn man Gutes tun will?
Ein wichtiger Hinweis: lesen Sie die letzte Seite auf keinen Fall zuerst!
Anke Roggenkamp
Yvonne Winkler: „Ärztin einer neuen Ära“ – Hermine Heusler-Edenhuizen – Sie kämpfte für das Wohl werdender Mütter und für ihre große Liebe, München, Piper-Verlag, 2022, 447 Seiten, (Bedeutende Frauen, die die Welt verändern; 8),ISBN 978-3-492-06309-8
Eine historische Romanbiografie, in der die Autorin sehr lebhaft den Lebensweg von Hermine Edenhuizen beschreibt.
Aus dem kleinen Dorf Pewsum in Ostfriesland stammend, schafft es Hermine Edenhuizen nicht nur als eine der ersten jungen Frauen überhaupt 1898 das Abitur machen zu dürfen, sondern auch ein Medizinstudium zu absolvieren. Und das in einer Zeit, in der Frauen an Universitäten noch nicht zugelassen waren und vor jeder Vorlesung den Professor um Erlaubnis bitten mussten, teilnehmen zu dürfen. Trotz aller Schwierigkeiten gibt sie nicht auf und erreicht ihr Ziel: 1903 promoviert sie an der Bonner Universität und wird damit die erste offiziell anerkannte Frauenärztin Deutschlands. Dort lernt sie auch den Mediziner Otto Heusler kennen. Er behandelt sie, im Gegensatz zu vielen anderen männlichen Kollegen, respektvoll und diskutiert medizinische Fälle mit ihr auf Augenhöhe. Sie verlieben sich, allerdings ist Otto verheiratet, was nicht nur Hermine wieder Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt.
Anke Roggenkamp
Max Kugel: „Wie ich auszog, um mein Handwerk zu retten“, 1. Aufl., Frankfurt/Main, Westend-Verlag, 2023, 237 Seiten mit Illustrationen, ISBN 978-3-86489-396-4, 
Max Kugel, ein junger Bäcker aus Lahnstein, hat ausgerechnet in Bonn 2017 seinen Traum von einer eigenen Bäckerei verwirklicht. Und das mit einem unglaublichen Erfolg, dem ihm kaum einer zugetraut hatte. In seinem Buch beschreibt er sehr persönlich seinen Weg und die Gründe, wie das Bäckerhandwerk überleben kann. Aufgewachsen in einer Bäckerfamilie, ist er nach seiner Ausbildung zum Bäcker durch die verschiedensten Länder gereist, um das Bäckerhandwerk dort kennen zu lernen. All diese Erfahrungen und Rezepte fließen in seine heutige Arbeit ein.
Sein Konzept: ursprüngliches Bäckerhandwerk ohne irgendwelchen Schnickschnack. Auch sein Sortiment ist ohne Schnickschnack: er bietet schlicht 10 Sorten Brot plus ein täglich wechselndes an. Keine Brötchen, keine Kuchen.
Eine Liebeserklärung an das Brot und das Bäckerhandwerk.
Anke Roggenkamp

