Aus 3 wird 1: Neues über das Zusammenwachsen der Bad Godesberger Kirchengemeinden
Unter dem Motto „Ein Leib – eine Hoffnung – eine Gemeinde“ beabsichtigen die Ev. Erlöser-Kirchengemeinde, die Heiland-Kirchengemeinde und die Johannes-Kirchengemeinde zum Jahreswechsel 2027/2028 – frühestens, spätestens jedoch 2028/2029 – eine Gemeinde zu gründen. Zukünftig wollen wir gemeinsam evangelisches Leben in Bad Godesberg gestalten und Menschen in ihren jeweiligen Lebensbezügen geistlich begleiten.
Die kirchlichen Rahmenbedingungen, die wir als Kirchengemeinden für die alltägliche Arbeit vorfinden, befinden sich im stetigen Wandel. Der wachsende Mitgliederschwund und fehlende Finanzmittel bereiten uns dabei besondere Sorge und stehen im Widerspruch zu den Erfahrungen, die wir als Kirchengemeinden täglich machen: Unsere Angebote, unsere Begleitung und nicht zuletzt unsere Verkündigung stiften Lebensgewissheit und bieten Menschen unterschiedlicher Herkunft und Milieus nach wie vor eine geistliche Heimat. Wir blicken in die Zukunft und lassen uns von dem Wort des Propheten Jesaja leiten: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft“. Dieses Wort erinnert uns daran, dass Kirche nicht aus eigener Stärke lebt, sondern aus der Verheißung Gottes, die uns kräftigt und stärkt für eine gemeinsame und hoffnungsvolle Zukunft.
Darum verstehen wir die Gründung einer neuen Gemeinde nicht als Reaktion auf Mangel, sondern als Schritt der Erneuerung, die Lust macht Neues zu wagen und auszuprobieren.
Aus dieser Zuversicht ergeben sich für uns 5 Impulse für die neue evangelische Gemeinde in Bad Godesberg:
- Aus Zusammenarbeit wird Gestaltungskraft.
Was bisher nebeneinander stand, wächst zusammen. Wir bündeln unsere Gaben, Kompetenzen und Ressourcen, um ein breites Angebot für das evangelisches Leben in Bad Godesberg sichtbar und verlässlich zu gestalten. Aus Kooperation wird gemeinsame Verantwortung – und aus Verantwortung neue Stärke.
- Aus Vielfalt wird gemeinsamer Reichtum.
Drei Profile, unterschiedliche Traditionen und gewachsene Frömmigkeitsformen gehen nicht verloren. Sie bilden den geistlichen Reichtum der neuen Gemeinde. Vielfalt verstehen wir nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.
- Aus drei Gemeinden wird eine Gemeinschaft für alle Generationen.
Kinder, Jugendliche, Familien, Menschen in der Lebensmitte und ältere Gemeindeglieder gehören gleichermaßen in den Blick. Kirche ist Heimat auf Zeit – und oft ein Leben lang. Darum wollen wir generationenübergreifend denken und handeln.
- Aus Strukturen werden Beziehungen.
Kirche lebt von Nähe, von Gesichtern und von Verlässlichkeit. Darum sollen Orte und Wege weiterhin kurz bleiben. Es gibt nichts Lebendigeres als persönliche Begegnung – und nichts Schwierigeres als eine entpersonalisierte Kirche. Dem treten wir bewusst entgegen.
- Aus einzelnen Teams wird ein starkes Miteinander.
Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber und ein verlässlicher Partner für Ehrenamtliche sein. Mitarbeitende sollen sich entsprechend ihrer Talente entfalten können – mit klaren Ansprechpersonen, guter Kommunikation und einer Kultur der Wertschätzung.
Wir sind an vielen Stellen schon gemeinsam auf dem Weg, z.B. Jugendarbeit, Flüchtlingshilfe, Gemeindebrief. Wenn wir uns den Prozess, den wir dieses Jahr formal anstoßen, vergegenwärtigen, wissen wir auch, dass Herausforderungen auf uns zukommen werden. Wir sind nicht naiv! Es wird ruckeln. Unterschiedliche Erwartungen werden aufeinandertreffen. Manches wird Zeit brauchen.
Aber wir gehen diesen Weg nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen, nicht aus Mangel, sondern aus Hoffnung, nicht, weil wir müssen, sondern weil wir glauben, dass Gott uns mehr zutraut. Darum wagen wir diesen Schritt. Darum bündeln wir unsere Kräfte. Darum wird aus drei eins.
(Konzept der Erlöser-, Heiland- und Johannes-Kirchengemeinde für den Zusammenschluss zu einer Evangelischen Kirchengemeinde in Bad Godesberg)
Was bisher geschah
Nachdem die Herbstsynode des Kirchenkreises bereits im November 2020 beschlossen hatte, „die notwendigen Strukturveränderungen in unseren Gemeinden als koordinierten Prozess abzustimmen und einzuleiten“, unternahmen auch die Bad Godesberger Gemeinden einen Anlauf, der im Jahr 2023 – vor allem wegen der Bedenken von Seiten des Presbyteriums der Thomaskirche – ergebnislos geendet ist. Dennoch hielten die sich abzeichnenden demographischen und finanziellen Perspektiven das Thema auf der Tagesordnung. So kam es auch in Godesberg im November 2024 zu einem Kennenlern-Treffen der Presbyterien im Matthias-Claudius-Gemeindehaus der Johannes-Kirchengemeinde. Im Mai 2025 wurde es konkret: Die Kreissynode stimmte mit großer Mehrheit dafür, dass die Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises sollen bis 2028 oder 2029 fusionieren. Nachdem sich die Thomaskirchengemeinde entschlossen hat, sich an dem Godesberger Fusionsprozess nicht zu beteiligen, haben die Erlöser-, Heiland- und Johannes-Kirchengemeinde erste bindende Schritte auf dem Weg zu einer Gemeinde aufgenommen. In gleichlautenden Beschlüssen haben die Presbyterien der drei Gemeinden beschlossen, „zu einer Evangelischen Kirchengemeinde in Bad Godesberg als neu zu bildender Körperschaft Öffentlichen Rechts zusammenzugehen.“ Dabei ist die endgültige Rechtsform noch nicht geklärt.
| Form | Kurzbeschreibung | Vor- und Nachteile |
| Fusion | Durch Erhöhung der Gemeindegliederzahl kann wieder eine ganze Pfarrstelle besetzt werden. Verwaltungsaufwand ist geringer, weil nur ein Haushalt zu erstellen ist. | Presbyterium muss sich über gemeinsame Entscheidungen einig sein, auch wenn es den jeweils anderen Pfarrbezirk der früher selbständigen Kirchengemeinde betrifft. |
| Gesamtkirchengemeinde | Nach außen eine Körperschaft mit gleichem Vorteil wie bei Fusion. Im Innenverhältnis sind durch eine Satzung die Aufgaben auf mehrere Bereiche mit jew. einem Bereichspresbyterium (BP) und einem einzigen Gesamtpresbyterium (GP) verteilt. | – Doppelte Strukturen durch Bereichspresbyterien und einem Gesamtpresbyterium.
– Vorteil ist, dass bestimmte Aufgaben (Gebäudekonzeption, Mitarbeitereinsatz, Finanzverteilung zwingend) dem GP übertragen werden können und die BP entlastet sind. – Kernaufgaben der Gemeinde (Liturgie, Gottesdienste, Konfi-Unterricht, etc.) werden dagegen in den einzelnen Bereichen selbständig gestaltet. |
Quelle: Fusionen von Kirchengemeinden, Vortrag Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen.
Der Zieltermin liegt im Einklang mit den Vorgaben der Synode im Jahr 2028, wenn auch die nächsten Wahlen zu den Presbyterien anstehen. Die drei Gemeinden haben eine Steuerungsgruppe gebildet, die sich seit Jahresanfang 2026 monatlich trifft und den Fusionsprozess leitet. Ihre Mitglieder sind:
Erlöser: Dr. Thomas George, Rainer Dröschmeister, Vertreter Daniel Post
Heiland: Maria Stock, Dr. Manfred Brede, Vertreter Dr. Christian Kolmer
Johannes: Rüdiger Kloevekorn, Tobias Mölleken, Vertreterin Beatrice Fermor
In ihrer Sitzung am 25. März 2026 hat die Steuerungsgruppe einmütig Rüdiger Kloevekorn zu ihrem Vorsitzenden gewählt.
Die verschiedenen Aspekte des Fusionsprozesses sollen in mehreren Teilprojekten zu den Feldern Personal, Liegenschaften, Finanzen, Kommunikation, Recht und Identität bearbeitet werden.
Frau Bärhausen vom Gemeindebüro der Erlöserkirche wird den Prozess unterstützten, daneben hat Superintendentin Claudia Müller-Bück zugesagt, dass ein Mitarbeiter des Verwaltungsverbandes den Prozess in einem Umfang von 6 Wochenstunden mit betreuen wird.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter http://www.ekir.de/url/rxd

